Leerstand, Lieferverkehr, neue Ideen: Wie sich die NRW-Innenstädte neu erfinden

Wer durch die Fußgängerzonen zwischen Rhein und Weser läuft, sieht zwei Geschichten gleichzeitig: hier das verklebte Schaufenster eines ehemaligen Modehauses, dort die Schlange vor einem neuen Café in einem ehemaligen Bankgebäude. Die Innenstädte in Nordrhein-Westfalen befinden sich mitten in einem Umbau, dessen Ausgang von Stadt zu Stadt unterschiedlicher kaum sein könnte.
Das Ende einer Selbstverständlichkeit
Jahrzehntelang funktionierten die Zentren nach einer einfachen Formel: Der Handel zog die Menschen an, alles andere profitierte. Diese Formel trägt nicht mehr. Der Onlinehandel hat übernommen, was die Innenstadt einst exklusiv bot, und große Filialisten geben Flächen ab, die so schnell niemand füllt. Übrig bleiben Erdgeschosse, für die es den einen Nachmieter — die nächste Modekette — schlicht nicht mehr gibt.
Was funktioniert: Mischung statt Monokultur
Die Städte, denen der Wandel gelingt, setzen auffallend oft auf dasselbe Prinzip: Sie verabschieden sich von der Handels-Monokultur. Arztpraxen, Volkshochschulen und Stadtbüchereien ziehen in ehemalige Kaufhäuser, Obergeschosse werden zu Wohnungen, Erdgeschosse zu Werkstätten, Studios und Gastronomie. Pop-up-Formate geben Gründern günstige Testflächen — und den Passanten einen Grund, wieder öfter vorbeizuschauen. Aus der Einkaufsstraße wird ein Ort, den man auch ohne Einkaufszettel besucht.
Die Hürden
Einfach ist das nicht. Viele Immobilien gehören Eigentümern, die auf alte Mietniveaus hoffen und Flächen lieber leer stehen lassen, als günstiger zu vermieten. Umbauten von Handels- zu Wohn- oder Praxisflächen sind teuer und genehmigungsintensiv. Und die klammen Kommunalhaushalte begrenzen, was Städte selbst anstoßen können.
Trotzdem ist die Richtung erkennbar: Die Innenstadt der Zukunft wird kleinteiliger, gemischter und wohnlicher sein als die der 2000er-Jahre. Der Handel bleibt Teil davon — aber er ist nicht mehr ihr einziger Grund. Für Händler, Gastronomen und Dienstleister, die jetzt Flächen suchen, sind die Konditionen jedenfalls so verhandelbar wie seit Jahrzehnten nicht.