Handwerk in NRW: Fachkräftemangel bremst volle Auftragsbücher

Es gibt Branchen, die über zu wenig Nachfrage klagen — und es gibt das Handwerk. Wer in Nordrhein-Westfalen einen Dachdecker, Elektriker oder Heizungsbauer braucht, lernt Geduld: Wartezeiten von Wochen sind normal geworden, bei Spezialgewerken auch Monate. Das Problem der Betriebe ist nicht der Auftrag. Es ist die Hand, die ihn ausführt.
Die Lücke wächst von zwei Seiten
Der Mangel hat eine doppelte Ursache: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente und nehmen Jahrzehnte an Erfahrung mit, während gleichzeitig zu wenige junge Menschen nachrücken. Jahrelang galt in vielen Familien das Studium als einzig erstrebenswerter Weg — mit der Folge, dass Meisterbetriebe heute um jeden Azubi werben wie Konzerne um Ingenieure: mit Prämien, Führerschein-Zuschüssen und Übernahmegarantien.
Wie Betriebe reagieren
Die Antworten der Betriebe sind vielfältig. Viele werden wählerischer und nehmen bevorzugt Aufträge mit besseren Margen an — die Zeit der Gefälligkeitspreise ist vorbei. Andere investieren in Effizienz: digitale Auftragsplanung, Vorfertigung, weniger Fahrtzeiten durch klügere Routen. Und fast alle entdecken die Ausbildung neu, kooperieren mit Schulen und öffnen sich für Quereinsteiger und Zugewanderte, die sie früher kaum beachtet hätten.
Ein Berufsbild im Aufwind
Die vielleicht wichtigste Veränderung ist die des Images. Ein Handwerksberuf bedeutet heute: praktisch unkündbar, gut bezahlt, mit realistischer Aussicht auf den eigenen Betrieb — zumal zehntausende Inhaber in den kommenden Jahren Nachfolger suchen. Es spricht einiges dafür, dass die goldenen Böden des Handwerks gerade erst wieder gelegt werden. Die Frage ist nur, ob sich das schnell genug herumspricht.
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Häufige Fragen
Wie groß ist der Fachkräftemangel im NRW-Handwerk?
Erheblich: Über viele Gewerke hinweg bleiben Stellen und Lehrstellen unbesetzt, während die Auftragsbücher — besonders in Sanierung und Energietechnik — auf Monate gefüllt sind.
Was tun Betriebe erfolgreich gegen den Mangel?
Sie werben aktiv statt zu warten: moderne Ausbildung, faire Löhne, geregelte Arbeitszeiten, Übernahmegarantien — und sie entlasten Fachkräfte durch Digitalisierung der Büroarbeit.
Lohnt sich eine Handwerksausbildung heute noch?
Wirtschaftlich mehr denn je: Gesellen und Meister in Engpassgewerken verdienen konkurrenzfähig, haben Jobgarantie und realistische Chancen auf den eigenen Betrieb — Zehntausende suchen Nachfolger.

Michael Brandt ist im Ruhrgebiet geboren, aufgewachsen und — nach einem kurzen Ausflug nach Süddeutschland — bewusst zurückgekehrt. Er berichtet seit über 15 Jahren über Nordrhein-Westfalen, zuerst für Lokalredaktionen, heute für täglichNRW. Zum Profil →



